
Pfarrkonvent im Gemer-Seniorat
Pfarrerinnen und Pfarrer des evangelischen Kirchenbezirks Neuenbürg verbrachten im Jahr 2009 den Pfarrkonvent in der Slowakei. Ziel der Reise war die Begegnung mit evangelischen lutherischen Gemeinden in der Region Gemer.
Der Kirchenbezirk Neuenbürg strebt mit dem Kirchenbezirk Gemer eine Partnerschaft an. Bereits zum Gustav-Adolf-Fest 2008 in Neuenbürg kamen Gäste aus der Slowakei. Der Gegenbesuch wurde nun mit dem diesjährigen mehrtägigen Pfarrkonvent der hießigen Pfarrerschaft verbunden, geleitet wurde die Reise Dekan Werner Trick und dem Geschäftsführer des Gustav-Adolf-Werks Ulrich Hirsch.
Mit einem Bus ging es am Montag von Neuenbürg aus Richtung Stuttgart, von dort brachte die 32-köpfige Reisegesellschaft ein sogenannter Billigflieger nach Wien. Unser Reisebus, ein bereits in die Jahre gekommenes Modell aus alter sozialistischer Zeit, erwartete uns bereits. Die Fahrt in die nahe gelegenene slowakische Hauptstadt Bratislawa dauerte etwa eine Stunde. Dort wurden wir in der evangelisch-theologischen Fakultät sehr herzlich mit einem Festessen begrüßt. Nach einer Nacht im Studentenwohnheim trafen wir am Dienstag den Generalbischof Dr. Milos Klátik und nahmen an einer interessanten Stadtführung teil. Nach einer sechstündigen Fahrt durch die Slowakei kamen wir bei unseren Gastgebern aus dem Seniorat Gemer in Rožnava an. Der dortige Senior (Dekan) Jerguš Olejár begrüßte uns mit einer Delegation, auch der Bürgermeister nahm sich persönlich für uns Zeit und empfing uns sehr herzlich im Rathaussaal. Schnell wurden Verbindungen zu Neuenbürg gezogen. Rožnava wurde von deutschen Auswanderer mit dem Namen Rosenau gegründet und hat wie Neuenbürg eine lange Tradition als Bergwerksstadt.
An den folgenden Tagen besuchten wir den Bischof des Ostdistrikts Slavomír Sabol in der Stadt Prešov, eine jüdische Synagoge und mehrere evangelische Gemeinden im Seniorat Gemer. Denkwürdig blieb ein nicht enden wollendes Mittagessen in einer Gemeinde, die sich rührend um ihre Gäste aus Deutschland kümmerten. Auch die Besichtigung der sehr gut erhaltenen Burg Krásna Hôrka und einer kleinen Brauerei waren Höhepunkte der Reise.
Die Evangelischen hatten in der Slowakei seit der Reformation eine wechselvolle Geschichte. Die Bevölkerung nahm schon früh den evangelischen Glauben an, die Gegenreformation und später die Österreichisch-Ungarische Monarchie verhinderte jedoch die Ausbreitung des evangelischen Bekenntnisses gründlich. Auch in der sozialistisch geprägten Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis zur Wende 1989 wurde die Religionsausübung behindert. Heute ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung römisch-katholisch. Die lutherisch-evangelischen Kirche ist die zweitgrößte Kirche in der Slowakei, ihr gehören etwa 7 % der Bevölkerung an. Im Seniorat Gemer gibt es 30 Gemeinden, die Pfarrerinnen und Pfarrer sind auffallend jung. Dies liegt nicht nur an den kürzeren Ausbildungszeiten, sondern auch an den finanziellen Voraussetzungen der vergleichsweise armen Gemerregion.
Mit einem festlichen Abschlußgottesdienst bekamen wir am Donnerstagabend einen Einblick in die Besonderheit der slowakischen Liturgie. Beeindruckt waren wir vor allem von der Art und Weise wie Abendmahl gefeiert wurde und von der Sangeskraft der Gemeinde. Die Predigt von Dekan Werner Trick konnte die aufmerksame Gemeinde in einer slowakischen Übersetzung mitlesen. Beim anschließenden Essen hatten wir noch einmal die Gelegenheit die entstandenen Kontakte mit der Pfarrerschaft und der Gemeinde, auf deutsch, englisch und auch mit Händen und Füßen zu vertiefen.
Am Freitag hieß es dann endgültig von der reizvollen Landschaft und den hochsommerlichen Temperaturen Abschied zu nehmen. Unser Bus brachte uns sicher über Bratislawa nach Wien. Erschöpft aber voller Eindrücke kamen wir am Abend in Neuenbürg an.
Wir haben die Slowakei, das seit diesem Jahr den Euro hat, als ein Land im Aufbruch vorgefunden. Die größeren Städte sind absolut sehenswert, auch dank aufwendiger Restaurierungsarbeiten in den letzten Jahren. Auch die dortige evangelisch-lutherische Kirche befindet sich im Aufbau. Wir haben viele junge motivierte Pfarrerinnen und Pfarrer kennengelernt, die sich unter schwierigen Bedingungen mit einem Herzen für Gott und die Menschen mit vielen Ideen in Gesellschaft, Schule, Diakonie und Gemeinde einbringen.
Beim Pfarrkonvent 2011 unseres Kirchenbezirks werden einige Pfarrer aus dem Seniorat Gemer mit dabei sein. Wir freuen uns sehr auf diese Begegnungen.
Text: D.Gerlach/ Foto: H.Küstermann